Freitag, 7. Januar 2011

Befreiung aus der Fremdbestimmung durch das Geld

Wollen wir die Veränderung unseres Wertesystems und des gängigen Gesellschaftsmodells ?

Ein Thema aus den Toblacher Gesprächen 2010
Die Bürger wolle sich zusehnds aus der bewußtlosen Herrschaft und der Fremdbestimmung durch das Geld und der von den Menschen selbst in diesem Zusammenhang hervor-gebrachten gesellschaftlichen Verhältnisse befreien . Eine Befreiung aber scheint schwierig, ja möglicherweise heute utopischer denn je.
Dr. Karl-Ludwig Schibel
Soziologe, hat Sozialökologie an der Universität Frankfurt und an der Universität Pesaro- Urbino unterrichtet. Er koordiniert seit dem Jahr 1989 die „Fiera delle Utopie concrete“. Seit dem Jahr 1992 ist er im Vorstand des „Klima Bündnis“, wobei er Koordinator für Italien ist.

Bezeichnend ist was Fiat-Chef Sergio Marchionne kürzlich auf einem konservativen katholischen Jugendtreffen in Rimini gehalten hat. Er geißelt die Unfähigkeit und Unwilligkeit der Italiener (aber durchaus alle Europäer könnten sich angesprochen fühlen) zur Veränderung. „ Wenn wir nicht bereit sind, uns an die Welt anzupassen, die sich verändert, werden wir uns gezwungen sehen, nur noch die Scherben unserer Vergangenheit zu verwalten.”

Die Fähigkeit, schnell und flexibel auf das sich immer mehr beschleunigt verändernde Weltgeschehen zu reagieren, bietet die einzige Chance des ökonomischen Überlebens. „Die Welt in der wir agieren ist komplex und manchmal chaotisch. Die Probleme, denen wir uns stellen müssen, verändern sich alle Tage. Die Variablen, die ins Spiel kommen sind so zahlreich und so groß!“

„Die Probleme, denen wir uns stellen müssen,“ entstehen über unseren Köpfen und hinter unseren Rücken, sie haben gleichsam die Qualität eines Naturereignisses, so wie die amerikanische Automobilindustrie „die von dem Tsunami der Finanzwelt zerstört worden ist und einer Unternehmensführung, die die Notwendigkeit der Veränderung nicht anerkennen wollte.“

Prof. Wolfgang Sachs,
Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.

Mit der von Wolfgang Sachs aufgeworfenen Frage „Doch wer regiert das Geld?“ stellen sich die Toblacher Gespräche 2010 in die aufklärerische Tradition der Erkennbarkeit menschlichen Handelns und eines praxisorientierten Denkens. Das Denken aus der „rücksichtslose Kritik alles Bestehenden“, welches Formen des Widerstands und Formen alternativer Praxis ableitet. Das Denken von Alternativen, die unter Fortbestand der bestehenden Herrschafts- und Verwaltungs-formen das Neue gleichsam aus dem Schoße der alten Gesellschaft hervor zu treiben sucht. Ganz so, wie wir es von der Evolution gelernt haben.

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